Blogparade: Meine persönliche Mutmachgeschichte

Inspiriert von Textine Christa Goedes Geschichte, einem absolut authentischen Beitrag über sich selbst, werde ich mich auch mal als Blogparadenteilnehmerin versuchen.

Hier kommt also meine Geschichte:

Ambitioniert war ich schon immer. Und angestellt nicht allzu gerne. Früh selbst Geld zu verdienen, fand ich trotzdem toll. Von der Zeitungsausträgerin wurde ich zur Mitarbeiterin in der Modebranche und verdiente mir schließlich jahrelang als Organistin das Geld. Meine Begabung für Musik fiel schon meinem Grundschullehrer auf. Und der war es auch, der es zu verantworten hatte, dass ich auf ein musisches statt auf ein neusprachliches Gymnasium geschickt wurde, denn eine Begabung für Fremdsprachen hatte ich nicht, meinte er. Englisch, eine Sprache, in der man alles anders ausspricht, als man es schreibt, liege mir nicht. Also lernte ich ab der 5. Klasse Latein – und brachte mir mit den Schulbüchern meiner Mutter selbst Englisch bei, um die Songs im Radio verstehen zu können – und weil mich England schon immer magisch anzog. Ich bin sicher, dass meine damalige Lieblingsautorin Enid Blyton daran nicht ganz unschuldig war. Nach dem Abi mit Leistungskurs Musik hatte ich erst mal die Schnauze voll von Musiktheorie – und studierte Sprachen: Englisch, Italienisch und Spanisch.

Dann hatte ich die Schnauze voll von Übersetzungswissenschaft und zog nach Irland, einem Land, das damals boomte und sprachbegabte Leute sehr gut brauchen konnte. Leider wurde mir im Job (ich arbeitete damals bei der Auskunft) sehr schnell viel zu langweilig und so entschied ich mich für ein Aufbaustudium – Business Studies. Schnell kristallisierte sich mein Lieblingsfach heraus: Marketing! Und kurze Zeit später hatte ich dann auch einen Job – als Marketing-Chefin einer kleinen Dubliner Firma.

An eine Aussage des Mannes, der mir diesen Job verschaffte, erinnere ich mich noch heute: Nach einigen Sätzen am Telefon erklärte er mir, dass er dafür sorgen werde, dass man mich einstelle. Er brauche nur sieben Sekunden am Telefon mit einer Person, um diese einschätzen zu können. Ich bekam den Job. Eingeschätzt hat er mich völlig falsch, aber das ist eine andere Geschichte …

Nach einem Jahr in Irland und diversen Aufenthalten im Ausland zuvor (USA, Italien, Spanien) hatte ich es endlich geschafft, mein Heimatland lieben zu lernen. Diese Deutschen waren gar nicht so übel. Also ging ich zurück – meine Ideen zur Gründung eines Übersetzungsunternehmens nahm ich mit. Dann folgte ein kurzes Intermezzo in einer Pharmafirma, aber auch da wurde mir schnell zu langweilig. Ich erinnerte mich an meinen Gründungsplan – und holte eine meiner besten Freundinnen mit ins Boot. Und dann kam Textmission.

Zeitgleich versuchte ich, Kontakt zu Verlagen herzustellen. Wie die meisten Übersetzerinnen träumte ich von einer Karriere als Literaturübersetzerin – und natürlich hatte ich wieder etwas zu beweisen: Mein Prof hatte gleich zu Beginn unseres Studiums verkündet, man habe kaum eine Chance, als Literaturübersetzer zu überleben.

Die Anfangszeit war frustrierend. Ohne Erfahrung versuchte ich, die ersten Aufträge an Land zu ziehen. Aufträge für Textmission kamen einige, dank meiner lieben Freunde und Verwandten. Schwieriger wurde es mit den Verlagen. Ich beschäftigte mich mit insgesamt etwa 1000 Verlagen. Bei vielen kam gleich eine Absage bzw. die Ansage: „Gerne arbeiten wir mit Ihnen zusammen, Sie müssen uns einfach nur die Liste der bereits von Ihnen übersetzten Bücher zusenden.“ Tja. Ich hatte ja noch nichts übersetzt. Ein Teufelskreis …

Dennoch brachte meine damalige Marketing-Aktion etwas: Einige kleinere Verlage gaben mir eine Chance. Manche Projekte habe ich gut gemeistert. Manche weniger gut. Sie alle würde ich mit der Erfahrung, die ich heute habe, besser bewältigen. Vermutlich fände ich einige der damaligen Übersetzungen furchtbar. Aber jeder fängt mal klein an.

Anfangs nahm ich alles, was ich bekommen konnte. Als jemand, der noch nie im Leben Fisch gegessen hat, Texte über die Zubereitung von Fisch zu übersetzen, ist schlichtweg Unsinn. Ebenso war es keine gute Idee, dass ich mich überreden ließ, ein größeres Projekt in die Fremdsprache zu übersetzen.

Auch meine ersten Erfahrungen mit Betrügern im Verlagsgeschäft konnte ich sammeln. Damals war ich am Boden zerstört. Heute bin ich wieder mit der Welt versöhnt. Durch diese Sache konnte ich einen meiner besten und treusten Kunden gewinnen, einen Anwalt, den ich heute früher einschalten würde als damals.

Vielleicht ist das auch Lehrgeld: Manchmal kommt man nur mit Hilfe eines Anwalts weiter. Manche Menschen scheinen zu denken: „Man kanns ja einfach mal probieren, vielleicht kommt man ja durch!“ Inzwischen habe ich übrigens mehrere Anwälte als Kunden.😉

Dann kam irgendwann eine andere Charaktereigenschaft ins Spiel. Manche schätzen sie, manche hassen sie: Ich bin ehrlich und kritisiere gerne. Manche sagen mir nach, an mir sei eine Lehrerin verloren gegangen. Durch meine unaufgeforderte Kritik habe ich sicher schon viele Verleger verschreckt. Manche waren allerdings auch dankbar für mein Feedback – und so bekam ich die ersten Aufträge als Lektorin von Büchern und Zeitschriften. Inzwischen bin ich mit Kritik wesentlich vorsichtiger, aber auch das war ein Lernprozess.

Mit dem Lektorat habe ich meine neue Leidenschaft gefunden. Eigentlich ist das auch ein Problem. Ich liebe meinen Job so sehr und die Grenzen zwischen Beruflichem und Privatem sind oft schwer zu finden. Das führt dazu, dass ich  viel zu viel arbeite – und zu unmöglichen Zeiten. Aber es ist ja irgendwo auch mein Hobby. Und mein größtes Hobby ist zurzeit Sandra McKee bzw. die Vermarktung ihres Buchs.

Darüber habe ich ja an anderer Stelle schon öfter berichtet.

Buchmarketing ist unheimlich spannend. Einerseits sehr erfüllend, denn ich lerne ständig neue interessante Menschen kennen und freue mich über unsere ersten kleinen Erfolge. Andererseits gibt es auch so viele Hürden zu überwinden. Und so viel zu erreichen. Es ist eine Herausforderung, neben 99.999 jährlichen Neuerscheinungen (wenn ich die Zahl richtig im Kopf habe) aufzufallen. Die Geschichte von Sandra und mir ist so erzählenswert. Aber ich möchte sie nicht hier erzählen, sondern in einer Zeitung oder Zeitschrift. Also heißt es: Abwarten, geduldig sein und im Gespräch bleiben.

Ich erinnere mich noch gut an mein Geschimpfe über Facebook. Das nehme ich inzwischen vollkommen zurück. Ich nutze Facebook mehr denn je und habe den Wert dieses wunderbaren Netzwerks erkannt, nachdem ich mich lange genug dagegen gewehrt hatte. Jetzt gilt es, den Wert unserer Facebook-Fanseite zu halten bzw. zu steigern, denn Likes sind alles auf Facebook. Selbst mit Twitter experimentiere ich gerade. Man lernt nie aus …

Aber eines steht fest: Ich liebe meinen Job, diese Mischung aus Muttersein, PR-Aufgaben, Marketing, Lektorat, Projektmanagement, der einen oder anderen Übersetzung  und allen anderen neuen Herausforderungen, denen ich im Alltag begegne.

Noch eins zum Muttersein: Es ist interessant, wie sich die Art der Auftraggeber verändert. Inzwischen habe ich nur noch Kunden und Kollegen, die entweder selbst Eltern sind oder zumindest Verständnis für berufstätige Mütter mit Kleinkindern aufbringen.

Wer mich kennt, weiß, dass ich mich nur mit Herzblut auf etwas einlasse, wenn ich absolut überzeugt davon bin. Nur muss man den Menschen auch Zeit geben, um den Wert mancher Dinge selbst zu erkennen. Nur weil ich eine Fanseite gut finde, heißt das nicht, dass andere das nachvollziehen können, geschweige denn jemals etwas von dieser Firma oder diesem Produkt gehört haben. Da müssen die Leute schon selbst darauf kommen.

Und fürs Marketing gilt: Marketingerfolge kommen in der Regel zeitversetzt. Wichtig ist es, dran zu bleiben, nicht aufzugeben und sich nicht entmutigen zu lassen. Das gilt nicht nur für mich, sondern auch für all meine Leserinnen und Leser. Macht das, woran euch wirklich etwas liegt. Verwirklicht euch. Übt den Beruf aus, der euch erfüllt, statt stumpfsinnig mit dem Strom zu schwimmen und unglücklich zu werden. Früher oder später lohnt es sich. Vielleicht hat ja der eine oder andere auch noch eine Mutmachgeschichte zu erzählen? Christas Mitmach-Aktion läuft noch bis zum 30. November 2013. Ich bin gespannt!

Während ich das geschrieben habe, ist übrigens das vorgekochte Mittagessen verkocht. Manchmal ist es wirklich nicht so einfach, die Work-Life-Balance zu finden. Aber ich arbeite daran …

6 Kommentare

Eingeordnet unter Kommunikation, Marketing

6 Antworten zu “Blogparade: Meine persönliche Mutmachgeschichte

  1. Interessante story! Und doch sehr gradlinig irgendwie… Aber schade ums Mittagessen!

  2. 😀 Es ist wohl noch essbar … Na dann: Bin gespannt, ob du auch mitmachst.😉

  3. Tom

    Sehr schön. Alles drin, weswegen mir unsere Zusammenarbeit Spaß gemacht hat. Bleib so, bitte.

  4. Pingback: Blogparade – Mutmach-Geschichten | Christa Goede

  5. Tolle Geschichte und ein spannender Werdegang. Habe die Lektüre wirklich genossen.

    • Ich bedanke mich für das Lob! Tom hat ja schon mitgemacht und selbst seine sehr interessante Geschichte geschrieben. Vielleicht gibts ja bald auch noch einen Beitrag auf translateordie!? Ich bin gespannt!

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