Kill your darlings – ein Gastbeitrag von Carola Wolff zum Thema Lektorat

Und schon wieder habe ich etwas Neues ausprobiert. Ich nehme beim alljährlichen Blogwichteln der Textinen teil. Textinen? Das sind die Mitglieder des Texttreffs – und das wiederum ist das Netzwerk wortstarker Frauen, bei dem ich mich vor einiger Zeit eingeklinkt habe.

Und was ist jetzt wieder Blogwichteln? Jeder teilnehmenden Textine wurde ein Blog zugewiesen, auf dem sie einen Gastbeitrag schreiben darf – und dafür bekommt sie einen anderen Beitrag für ihren Blog geschenkt. Deshalb übergebe ich das Wort heute mal an Carola Wolff, die aus Autorensicht die Wichtigkeit eines professionellen Lektorats beleuchtet. Viel Spaß beim Lesen!

“Kill your darlings, kill your darlings, even when it breaks your egocentric little scribbler’s heart, kill your darlings.” Stephen King

Ne Lektorin? Nee, wofür brauch ick die denn???

Schließlich habe ich selbst mein Manuskript mehrfach überarbeitet, habe geprüft, geflucht und vor allem gestrichen. Stephen King sagt: „Töte Deine Lieblinge, auch wenn es Dein egozentrisches Schreiberleinherz bricht.“ Also habe ich gnadenlos alle überflüssigen Szenen und Dialoge eliminiert. Der Meister muss es wissen, er ist verdammt erfolgreich. Danach habe ich auch noch einige Probeleser drangesetzt. Und dann erst hat es die Verlagsrunde angetreten und wurde auch prompt eingekauft. Das erste Manuskript, das ein Verlag angenommen hat! Juchhe!

Also war doch alles in Butter, oder?

Bis der Verlag meinem Roman ein professionelles Lektorat angedeihen ließ.

Wie läuft so etwas eigentlich ab? Zuerst einmal haben wir uns telefonisch ausgetauscht, meine Lektorin und ich. Lange und ausführlich. Über meinen Roman, den Verlag und ob es tatsächlich kreativitätsfördernd ist, beim Schreiben Schokoladenkekse zu essen.

Wichtig fürs Schreiben: Tee und Kekse

Wichtig fürs Schreiben: Tee und Kekse

Dann habe ich der Lektorin mein Manuskript per Mail geschickt. Und wenige Tage später kam es zurück. Ich kochte Tee, stellte Schokoladenkekse bereit und besah mir den Text.

Beinahe hätte ich ihn nicht wiedererkannt. Kunterbunt mit Anmerkungen, Korrekturen und Änderungsvorschlägen übersät.

Und was ändern Lektoren so alles?

Immer mal wieder die leidige Rechtschreibung (und das, obwohl ich die Rechtschreibprüfung auf meinem PC nicht nur habe, sondern sie auch benutze).

Und dann natürlich den Inhalt.

Mit bewundernswertem Durchblick gesegnet, hat meine Lektorin alles aufgespürt, was unverständlich oder für den Leser eventuell schwer nachvollziehbar war.

Man hat mich auf Übersetzungs-/Urheberrechtsprobleme bei einigen Zitaten aufmerksam gemacht, Füllwörter und Wiederholungen wurden gnadenlos ausgemerzt und Zeitprobleme im Handlungsablauf sofort erkannt und behoben.

Endlich mal jemand, der meinen Roman kompetent, mit professionellem Abstand und großer Liebe zum Wort auf Herz und Nieren geprüft hat!

Ich habe noch mehr Tee gekocht und mich an die Arbeit gemacht. Die Änderungen übernommen oder umgeschrieben und das Manuskript wieder zurückgeschickt. Mehr Kekse gekauft. Dann folgten noch ein paar Telefonate, weil wir uns nicht bei allem einig waren.

Eine Lektorin kennt ihr Lesepublikum. Sie kennt sich im jeweiligen Genre aus und kann einen unsicheren Neuling gut beraten. Und vor allem: Sie ist kein Bulldozer. In meinem Fall: Karin Pütz hat mich und meinen Text nicht einfach platt gewalzt, sondern Vorschläge gemacht. Von denen ich beileibe nicht alle angenommen habe (abgesehen von denen, die die Rechtschreibung betrafen, da gibt es wenig Spielraum für Diskussionen). Und auch das war okay.

Mein Roman hat in jeder Hinsicht gewonnen. Der Text ist runder geworden, flüssiger. Die Geschichte insgesamt straffer und spannender. Es prickelt geradezu beim Lesen.

Vor allem: Es hat Spaß gemacht, mit einer Lektorin zusammenzuarbeiten.

Mein Fazit: Nie wieder ohne professionelles Lektorat.

(Und immer mit Schokoladenkeksen!)

Carola Wolffs erotischer Roman „Mailverkehr – Fesselnde Lust“ erscheint im Februar 2014 unter dem Pseudonym Mela Wolff als E-Book. Neugierig? Hier gehts zur Leseprobe.

Carola Wolffs erster Roman, ein autobiographisches Buch über das Leben mit einer bipolaren Störung (besser bekannt als manische Depression), ist bereits erschienen.

Mein erster Selbstmord erhielt eine vielversprechende Auszeichnung für Indie-Romane (also Romane, die in Eigenregie veröffentlicht werden): Das Buch erreichte in der Kategorie Belletristik den zweiten Platz beim autoren@Leipzig-Award.

Mehr über Carola Wolff erfahrt ihr hier.

 

 

 

4 Kommentare

Eingeordnet unter Lektorat

4 Antworten zu “Kill your darlings – ein Gastbeitrag von Carola Wolff zum Thema Lektorat

  1. toll, Carola, ja, das steht mir ab Januar mit meinem Manuskript auch bevor.😀

  2. Wow, das klingt ja nach einem echten Lektoratsglücksgriff, den Du da getan hast, Carola!

  3. Pingback: Recherche für einen Roman | Carola Wolff

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